Dillingen – Wertingen – Augsburg und zurück: Eine Testfahrt mit Schwachpunkten

ÖPNV Zwei Mitglieder der Grünen ließen das Auto in der Garage. Was sie dabei erlebten 

Ist es möglich, im Landkreis und Umgebung mobil ohne Auto zu sein? Dagmar Carsten und Hertha Stauch machten als Mitglieder des erweiterten Kreisvorstands von Bündnis 90/Die Grünen die Probe aufs Exempel und ließen für einen Tag ihre Fahrzeuge in der Garage stehen. Start und Ziel einer Testfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln war Dillingen über Wertingen nach Augsburg und wieder zurück.

Die Erkenntnis war: Zumindest von Wertingen aus geht es nicht ganz ohne Auto, um optimal und zügig in die Fuggerstadt zu gelangen. 

Probleme gibt es vor allem außerhalb der Zeiten, die für Schüler oder Berufspendler interessant sind. Während Bus- und Bahnverbindungen am Morgen und Abend gut getaktet sind, gibt es Schwierigkeiten, wenn man untertags auf dieser Tour unterwegs sein will. Es mangelt an genügend Anschluss-Bussen vom Bahnhof Meitingen nach Wertingen in den Vormittags- und Nachmittagsstunden, so die Erfahrung der Beiden. Um flexibel zu bleiben, sei es deshalb ratsam, von Wertingen aus doch mit dem Auto zum Bahnhof nach Meitingen zu fahren. Denn wer mit der Bahn von Augsburg aus in Meitingen ankommt, hat nicht zu jeder Stunde das Glück, dass dort ein Bus zur Rückfahrt nach Wertingen wartet. 

So gab es auf dem Rückweg, den die beiden von Augsburg aus mit der Bahn gegen 14.30 Uhr starteten, zwar einen Halt in Meitingen, der Anschluss-Bus nach Wertingen wäre aber erst eine Stunde später gekommen. Darauf verzichteten die Test-Fahrerinnen und fuhren weiter mit dem Zug bis Mertingen. Vom dortigen Bahnhof aus gab es nach wenigen Minuten einen Bus, der die Wertingerin Hertha Stauch ins Zusamtal zurückbrachte. Als einziger Fahrgast auf der ganzen Linie “strandete” sie am Marktplatz Wertingen – um dort einen direkten Anschluss zu ihrem Wohnort Geratshofen zu suchen – vergeblich. Statt eine Dreiviertelstunde auf einen Bus zu warten, unternahm sie das letzte Stück auf dem Heimweg als strammen Fußmarsch. 

Unterdessen erreichte die Dillingerin Dagmar Carsten mit der Bahn über Donauwörth ihr Ziel schneller und stieg am Bahnhof Dillingen entspannt aus der Regionalbahn.

Die Hinfahrt nach Augsburg testeten die beiden als reine Busfahrt, was ihnen die Tourenvorschläge von zwei Apps erleichterte. Die auf der Homepage des Landkreises Dillingen vorgeschlagene App “wohin-du-willst” erwies sich als ebenso praktikabel, wie die App des AVV, des Verkehrsverbundes Augsburg, dem der Landkreis Dillingen im Bereich des Altlandkreises Wertingen angeschlossen ist. Die Kleinteiligkeit der Verkehrsverbünde erwies sich allerdings als großer Nachteil. Ein neu strukturierter größerer Verkehrsverbund, der Nordschwaben und Augsburg mit einbezieht, wäre von Vorteil, denken die beiden Kommunalpolitikerinnen. 

Zudem müssten Busse und Bahn mit einem Ticket bezahlt werden können und zeitlich den ganzen Tag durchgehend engmaschiger getaktet sein, um ganz auf das Auto verzichten zu können. 

Weitere Schwachpunkte der ÖPNV-Verbindungen auf dem Land zeigten sich auf dem Weg per Bus nach Augsburg Zentrum, der von Wertingen aus über Emersacker und Heretsried durch den Holzwinkel geht und deshalb viel Zeit erfordert. Eine gute Stunde dauert diese Tour – nichts also für Menschen die es eilig haben. 

Fazit: Es muss sich noch einiges tun, damit der Nahverkehr attraktiv wird. Verbundtickets, angepasste Fahrpläne zwischen Bus und Bahn, gerade nach Wertingen muss der Bus häufiger fahren, mindestens alle 40 Minuten. Auch sollte die Preisgestaltung besser werden. Fahrkartenkauf per Handy ist eigentlich Stand der Technik, allerdings nicht in unserem Landkreis.

Neuste Artikel

Zu Gast beim Lauschkonzert im Auwald

Stephanie Schuhknecht beim Rundgespräch des Asylhelferkreises Dillingen

Erfolg der Grünen im Lauinger Stadtrat