Kreistagsfraktion holt sich Anregungen in Freiburg

Freiburg als lebendige Zukunftswerkstatt für Neues Denken und Nachhaltigkeit war das Ziel einer von Kreisrat Engelbert Kigele organisierten Fahrt der Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen am vergangenen Wochenende. Schon die übliche erste Stärkung nach einer langen, verkehrsreichen Fahrt galt der Information. In einem Restaurant, das eine Kooperation mit der “Regionalwert AG” eingegangen ist, erfuhr die Fraktion, wie die AG arbeitet, die sich als Bürgeraktiengesellschaft der Verantwortung für eine nachhaltige und resiliente Land- und Ernährungswirtschaft verpflichtet hat und ausschließlich Produkte umliegender Bio-Betriebe verarbeitet.

Das Besondere der AG ist die Bewertung der ihr angeschlossenen Partnerbetriebe. Nicht nur die üblichen Finanzkennzahlen fliesen dabei in die Bilanz ein, sondern, was das Unternehmen für die Umwelt und Gesellschaft leistet. – Ein Aspekt, der sich wie ein roter Faden durch das Besichtigungsprogramm der Grünen-Kreistagsfraktion zog. Dem Wert des Geldes, der Höhe von Gewinn oder Profit sind in vielen jungen Initiativen, die in der südbadischen Stadt gewachsen sind, nicht unbedingte und vorrangige Prämisse. Vielmehr wird der Wert von Arbeit und Leistung nach dem Prinzip seiner gesellschaftlichen Nachhaltigkeit bemessen.

So setzen junge Unternehmer:innen, die die Fraktion besuchte, das soziale Engagement und die Idee einer integrativen Gesellschaft gleichwertig neben die Produktion und Entwicklung von nachhaltigen Produkten und Ideen. Alles passiert gleichzeitig: Der Schreiner, der in seiner Werkstatt Geflüchtete auf die deutsche Arbeitswelt vorbereitet, ihnen Sprachkurse gibt, das Handwerk lehrt und gleichzeitig mobile Küchen auf Lastenrädern baut oder schicke Vollholzmöbel designt. Eine kreative Startup-Community hat sich in Freiburg in der ehemaligen Lok-Halle angesiedelt. Dort gibt es Arbeitsräume und Eventflächen neben einem Café für alle, die ein Unternehmen aufbauen oder eine gemeinnützige Idee umsetzen und sich dabei untereinander vernetzen wollen.

Wichtig war der Vorsitzenden der Grünen-Kreistagsfraktion, Heidi Terpoorten, auch das Kennenlernen von Bürgerbeteiligungs-Initiativen, wovon Freiburg eine Vielfalt zu bieten hat. Wie die Bürgerinnen und Bürger gemeinsam ihr Lebensumfeld gestalten, zeigt sich vor allem in Quartier Vauban, in dem die Vision eines nachhaltigen Stadtteils umgesetzt wurde. Das ehemalige französische Militärgelände beherbergt heute auf 40 Hektar Fläche 5000 Bewohner:innen, die zusammen in Baugruppen mit Architekten, einem Bürgerverein und der Stadt ihr Viertel planten und bauten. Und das ganze in nachhaltiger Bauweise mit Solar- und Passivhäusern, verkehrsberuhigt und viel Grün mitten in der Stadt. Lohnende Erkenntnisse sammelten im Quartier Vauban vor allem die Dillinger Stadt- und Kreisräte Joachim Hien und Benedikt Rapp: Nicht alles, aber durchaus Manches könnte beispielgebend sein für das neue Wohn-Areal, das in Dillingen im Süden des Stadtkerns entstehen soll.

Ein Beispiel, wie Bürger:innen die Planung ihrer Stadt selbst in die Hand nehmen ist auch das Mietshäuser-Syndikat in Freiburg, eine nicht-kommerziell organisierte Beteiligungsgesellschaft zum gemeinsamen Kauf und Bau von Häusern. So können langfristig bezahlbare Wohnungen geschaffen werden.

Ein besonderes Angebot an die Grünen-Fraktion gab es beim Besuch des Fraunhofer-Instituts in Freiburg. 1200 Mitarbeiter:innen forschen hier im Bereich von Mobilität, Energie, Gebäudeeffizienz und Rohstoffen. Ganz konkret geht es dabei auch um die Begleitung von Konzepten für Kommunen bei nachhaltiger Sanierung und beim Neubau von Stadtquartieren. Der Kreistagsfraktion wurde in Aussicht gestellt, dass die Forschungsanstalt bei Bedarf durchaus bereit ist, bei einem Sanierungsprojekt mit dem Landkreis oder den Städten im Kreis zusammenzuarbeiten.

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