Landtagsabgeordneter und Verkehrsexperte Dr. Markus Büchler zum Thema „Mobil auf dem Lande“

Über neue Formen der Mobilität referierte der verkehrspolitische Sprecher der Grünen im bayerischen Landtag Dr. Markus Büchler am vergangenen Freitag in Lauingen. Mit Mitglieder des Orts- und des Kreisverbandes machte er sich vom Fahrrad aus ein Bild der örtlichen Gegebenheiten. Die Stadträte Rolf Brenndörfer und Engelbert Kigele wiesen dabei auf sicherheitsrelevante Aspekte, vor allem für Radfahrer und die Kinder auf ihrem Schulweg, hin. Auch Fragen der Stadtentwicklung wie ein autofreier Marktplatz, eingebettet in ein umfassendes Verkehrskonzept, wurden angesprochen.

In dem anschließenden Vortrag zeigte er, welche Probleme der heutige Verkehr hervorruft. Wesentliche Weichen für diese Entwicklung wurden 1934 in der Straßenverkehrsordnung gestellt. Wesentliche Ziele waren die Beschleunigung des Verkehrs und das Primat des Autos gegenüber den langsameren Verkehrsteilnehmern. Die Grünen wollen die STVO abschaffen und durch ein neues Mobilitätsgesetz ersetzen. Die aus einem Moratorium für den weiteren Aus- und Neubau von Straßen gewonnen Finanzmittel sollen für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs verwendet werden.

Ein durch Investitionen verbessertes Angebot der Bahn steigert die Fahrgastzahlen nachweisbar. Beispiel Österreich: Dort wird pro Kopf der Bevölkerung jährlich etwa fünf Mal so viel in die Bahn investiert wie Deutschland. Seither haben sich dort die Fahrgastzahlen verdoppelt. Weitere Möglichkeiten den öffentlichen Verkehr attraktiver zu machen sind einfache, großräumige, für verschiedene Verkehrsträger einheitliche Tarifzonen. Jede Gemeinde müsse mit öffentlichen Verkehrsmitteln von früh morgens bis Mitternacht stündlich erreichbar sein. Digital lasse sich ein flexibles System mit kleinen Rufbussen schaffen. Schon in einigen Jahren könnten diese durch autonom fahrende Elektrobusse ersetzt werden.

Fahrradfahrer*innen müssen sicher und ohne Umwege jedes Ziel erreichen können. Bei der Verkehrsplanung sind die Belange des Radverkehrs gleichwertig mit denen des Autoverkehrs zu berücksichtigen. Dies gilt insbesondere innerörtlich. Im nahen Ausland wird oft der Straßenraum in den Altstädten als gemeinsamer Raum mit einer Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer gestaltet. Hierfür fehle in Deutschland die gesetzliche Grundlage.

Das Bündel all dieser Maßnahmen werde den Individualverkehr reduzieren. Auch auf dem Land werde auf längere Sicht ein Verzicht auf das Auto möglich. Öffentlicher Raum, der momentan von rollendem und ruhendem Autoverkehr beansprucht wird, kann wieder anders genutzt werden.

Zu Ende seines Referats ging Dr. Büchler nochmals auf die Lauinger Verkehrssituation ein. Er könne nicht verstehen, warum trotz einer Umgehungsstraße der Verkehr in der Innenstadt so dicht und belästigend sei. Lauingen mit seinem mittelalterlichen Stadtkern und seiner Lage direkt an der Donau habe alle Möglichkeiten sich touristisch zu entwickeln – dafür müsse aber unbedingt der Verkehr beruhigt werden. Die hieran geknüpfte Befürchtung von hiesigen Geschäftsleuten, Kunden zu verlieren, ist durch zahlreiche Studien widerlegt. Ganz in Gegenteil: In einer verkehrsberuhigten Innenstadt steigen die Umsätze.

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