Identitäre in Bissingen?

Es war der 27. Mai 2021 als der Lokalteil der Donau-Zeitung seine Leser damit erfreute, dass sich zwei junge Leute eine alte, denkmalgeschützte Ruine im Ortskern von Bissingen gekauft hatten um sie herzurichten und mit neuem Leben zu erfüllen. Ein Glücksfall für die Gemeinde? Recht schnell stellte sich heraus, dass eine der jungen Leute, Tatjana Klug, in einschlägigen Foren im Internet als aktive Funktionärin der Augsburger Identitären Bewegung geführt wird.

Was hat es eigentlich auf sich mit den Identitären? Die Identitäre Bewegung entstand in Frankreich und breitete sich über Österreich nach Deutschland aus. Sie geben sich als die netten Nazis von nebenan. Sie kommen ohne Hakenkreuz daher. Ihr Symbol ist ein Kreis mit einem Winkel das man sich als Schild von Verteidigern vorstellen soll. Sie wollen Europa vor dem Islam retten. Sie schreien nicht „Ausländer raus“ sondern „jeder soll bleiben wo er herkommt“.

Daraufhin bestellte sich unser Bissinger Bürgermeister, Stephan Herreiner, Frau Klug ins Rathaus ein um sie zu befragen. Und was stellte sich heraus? Es ist alles nur ein schreckliches Missverständnis in Verbindung mit übler Nachrede, verkündete sie mit Engelszungen.

Nichtdestotrotz beschloss der Gemeinderat der Marktgemeinde Bissingen eine Resolution und Selbstverpflichtung für Demokratie und Toleranz. Wir als Grüne begrüßen das und freuen uns darüber und werden uns mit vollem Engagement dafür einsetzen, dass diese Resolution gelebt wird! Und wir werden natürlich ganz genau hinschauen was Frau Klug und ihre Freunde so treiben werden, in der Bräu, wenn sie wieder hergerichtet ist. Dann werden wir ja sehen ob es sich um ein Gerücht handelt oder ob tatsächlich Identitäre damit beginnen werden, die Bevölkerung in Bissingen gegeneinander aufzuhetzen.

Resolution der Marktgemeinde Bissingen für Demokratie und Toleranz

(veröffentlicht im Amtsblatt Nummer 20 vom 27. Mai 2021)

Die Marktgemeinde Bissingen ist eine weltoffene und gastfreundliche Gemeinde – sie ist ein Garant für Heimat, Tradition, Gemütlichkeit, Gastfreundschaft und Moderne. Jede und jeder Einzelne ist aufgefordert, für die verfassungsrechtlich geschützten Grundwerte und die Demokratie einzutreten. Alle demokratischen Kräfte sollen gemeinsam gegen sämtliche Arten von Extremismus in Wort, Schrift und Tat vorgehen. Das Eintreten für ein gleichberechtigtes Zusammenleben ist und bleibt für Bissingen eine Chance und eine Verpflichtung gleichermaßen. Der Marktgemeinderat verurteilt Extremismus in jeglicher Form. Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Diffamierung und Gewalt gegen ethnische, kulturelle, soziale und andere Minderheiten sind in unserer Gemeinde nicht erwünscht.

Gemeinsam mit allen Bürgerinnen und Bürgern möchten die Mitglieder des Bissinger Gemeinderates

  • Aktiv gegen Ausgrenzung und für ein friedliches Zusammenleben eintreten,
  • Sich gegen diskriminierende und rassistische Äußerungen wehren,
  • Eine tolerante und humanitäre Gesinnung sowie Zivilcourage stärken,
  • Bei Aktivitäten und Extremisten nicht wegsehen und die Ursachen gewalttätigen Handelns bekämpfen und
  • Sich für einen breiten Konsens gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit einsetzen.

Gleichzeitig bekennt sich der Gemeinderat zu seiner Verpflichtung

  • Jeder Art von extremistischen Aktivitäten im Rahmen seiner Möglichkeiten entgegenzuwirken,
  • Besonders die demokratische Entwicklung junger Menschen zu fördern und diese in der Auseinandersetzung mit extremistischen Aktivitäten zu stärken und
  • Ein breites gesellschaftliches Bündnis gegen Rassismus und Gewalt zu fördern und zu unterstützen.

Bürgerfreundlich weltoffen, demokratisch, tolerant, werteorientiert, lebendig und bunt! So ist die Marktgemeinde Bissingen und so soll sie bleiben.

Marktgemeinde Bissingen im Mai 2021

Neuste Artikel

Kunst und Kultur in der Pandemie

Angeregte Diskussion über Gesundheitsversorgung in Wertingen

Wandern mit Eva Lettenbauer, MdL