Angeregte Diskussion über Gesundheitsversorgung in Wertingen

Neue, effiziente Kliniken über das Land verteilt auf der grünen Wiese. Dorthin im Stundentakt Zugang über den öffentlichen Personen-Nahverkehr. Was hierzulande ein schöner Traum, wird in Dänemark Wirklichkeit. Christina Haubrich, gesundheitspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, zeigte im Rahmen einer Wahlveranstaltung in Wertingen auf, in welche Richtung der Weg bei der “Gesundheitsversorgung auf dem Land” – so das Thema des Abends – gehen kann. Haubrich, seit 2018 im Landtag, ließ keine Zweifel daran, dass wir in
Bayern und darüber hinaus noch weit davon entfernt sind und vielerlei Anstrengungen unternehmen müssen, um die Gesundheitsversorgung neu aufzustellen.

Eine große Hürde sei dabei die Bürokratie – zu viele Akteure, die im Gesundheitswesen mitsprechen. Eine Hürde auch das “lokalpatriotische System”, wie es der Wertinger Altstadtrat und -kreisrat Ludwig Klingler nannte. Es könne nicht
jedes kleine Krankenhaus eine komplette Versorgung vorhalten, “wir brauchen eine Zentralklinik mit Grundversorgung”.

Bei den Überlegungen für eine neue Krankenhausstruktur brauche es eine großräumige Zusammenarbeit aller Kliniken, machte Christina Haubrich deutlich. Mit entscheidend bei der Verteilung der Patient*innen seien die Rettungsdienste. Sie suchen im Notfall das für ihren Fall passende Haus aus, fahren jetzt also schon an Wertingen vorbei, wenn eine Verletzung oder Krankheit nicht vor Ort behandelt werden könne. Die Häuser in Donauwörth, Nördlingen, Günzburg und Heidenheim sowie das Augsburger Zentralklinikum spielen heute schon eine wichtige Rolle, bestätigte Heidi Terpoorten, Fraktionssprecherin der Grünen im Kreistag.

Eine Strukturreform betreffe das ganze Land, pflichtete Christina Haubrich bei, und diese beziehe sich nicht nur auf die Kliniken. Alle gesundheitlichen Versorgungseinrichtungen müssten wie Zahnräder ineinander greifen. Im Moment brechen überall auf dem Land die Hausärzt*innen durch Überalterung weg, es sei ein Problem, junge Ärzte auf das Land zu bekommen. Neue Ideen seien notwendig, wie mobile Praxisteams, der Einsatz von Praxisassistenten für einfachere medizinische Dienste, Medizinische Versorgungszentren (MVZ), Gemeinschaftspraxen. Der Landkreis Dillingen beschreite bereits diesen Weg, informierten Heidi Terpoorten und Ludwig Klingler. So gebe es an der Kreisklinik Dillingen eine Zusammenarbeit mit Unikliniken für einen Austausch junger Ärzte. Dennoch sei es schwierig, diese für eine Niederlassung im Landkreis zu bewegen. Bei den Hausärzten drohe aktuell eine Unterversorgung in Lauingen, wo vier Hausärzte fehlen, informierte Terpoorten.

Letztendlich gehe es um eine konkrete Bedarfsplanung, eine “Landesversorgungsplanung”, erklärte Christina Haubrich, bei der sich stationäre und ambulante Versorgung ergänzen. Oberstes Kriterium müsse dabei die Qualität, Ausstattung und Erreichbarkeit sein. Ein besonderes Anliegen sei ihr die Geburtshilfe, deren Notwendigkeit die Gesundheitspolitikerin auch in kleineren Kliniken sieht. Haubrich und die Kreispolitker*innen waren sich einig, dass die Zeit drängt, das komplexe Gesundheitsthema den neuen Erfordernissen anzupassen. Vielerorts würden Päne geschmiedet – “aber wir müssen es endlich anpacken”. Und: “Wir dürfen uns nicht zu sehr darauf verlassen, dass es der Markt schon richten wird”, so Terpoorten.

Bei der Wahlveranstaltung mit rund 30 Gästen im Cafè Zolleis in Wertingen entwickelte sich eine rege Diskussion, die sich weiter bis in den späten Abend fortsetzte, nachdem Ortsverbands-Sprecherin Hertha Stauch die Gastrednerin mit
einem Strauß Sonnenblumen verabschiedet hatte.

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